Am 03.07.2021 hospitierte ich von 18 Uhr bis knapp fünf Uhr am Morgen bei der 36. Einsatzhundertschaft (EHu.) der Polizei Berlin. Die 36. EHu. ist auf dem großen Gelände des Polizeiabschnitts 32 sowie des Sicherstellungsgeländes in der Cecilienstraße untergebracht.

Zunächst fiel positiv auf, dass es sich bei der Liegenschaft der EHu. um ein bereits saniertes Gebäude handelt. Bis auf kleinere Schwierigkeiten bei der Kalt- und Warmwasserversorgung können die Beamt:innen vor Ort tatsächlich unter vergleichsweise guten Umständen arbeiten. Diesen Vergleich ziehe ich vor allem im Hinblick auf die baulichen Gegebenheiten in der Liegenschaft in der Kruppstraße. In der Cecilienstraße wurde zudem vor kurzem die neue Raumschießanlage der Polizei Berlin eröffnet. Ja, es tut sich was, aber klar ist auch: Es dürfte schneller gehen. Aus meiner Sicht bietet das Gelände ein großes Potential. Denkbar wäre der Neubau moderner Dienstgebäude sowie einer neuen Sporthalle.

Für die 36. EHu. spielen – wie für viele Einsatzhundertschaften – die zahlreichen Einsatzanlässe eine große Rolle. Sie bestimmen maßgeblich die Intensität der Dienste. Hier wird deutlich, dass in Berlin als Bundeshauptstadt doch andere Aufgaben anfallen, als in anderen Bundesländern und Großstädten. Auch deshalb benötigen wir weiterhin mehr Neueinstellungen bei unseren Sicherheitsbehörden. Wir stehen zudem vor einer demographischen Herausforderung: Zum einen wird ein bedeutender Teil der Beschäftigten in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen und zum anderen haben wir bereits jetzt einen großen Anteil sehr Junger Mitarbeitenden. Das mittlere Alter fehlt überwiegend, sodass insbesondere der wichtige Wissenstransfer sowie ein ausgewogenes Verhältnis in der Mitarbeiterstruktur nicht immer gegeben sind. Ein Grund hierfür ist u.a. die Nichteinstellung und Nicht-Übernahme nach der Ausbildung in den 2000er Jahren in Berlin. Diese Lücken werden nun spürbar. Das hat im Übrigen nichts mit mangelnder Qualifikation der Jungen zu tun, sondern bezieht sich vor allem auf den altersübergreifenden Austausch.

Erneut durfte ich Einblicke in die Arbeit der Landeseinsatzreserve (LER) für Berlin erhalten und war doch sehr erstaunt, dass ich offensichtlich der Erste war, der die 36. EHu. im Rahmen einer Hospitation begleitet. Die LER streifte zunächst in der Direktion 3 in den Abschnittsbereichen 31 bis 33, ehe sie als Unterstützung für einen Funkwagen angefordert wurde. Drei junge Herren wollten sich Zutritt in eine Wohnung verschaffen, weil der dortige Mieter ihnen Geld schuldete. Dieser Versuch konnte durch die Beamten verhindert werden. Zurück blieb jedoch eine beschädigte Wohnungstür. Nachdem die Personalien festgestellt worden waren, fand man bei einer tatverdächtigen Person zudem noch etwas Gras. Bemerkenswert war das Auftreten der drei Männer, für die es offensichtlich eine Selbstverständlichkeit war, eine Tür gewaltsam zu öffnen, um an ihr Geld zu kommen. Sie mussten den Ort nach der polizeilichen Maßnahme verlassen und die Kollegen des Einsatzwagens des Abschnitts (EWA) bedankte sich für die Unterstützung.

Im Anschluss daran streiften die LER wieder, ehe sie um Unterstützung eines Polizeiabschnitts gebeten wurden. Mehrere alkoholisierte Personen sollten in Streit geraten sein, wobei eine Person wohl ein Messer gezückt haben soll. Vor Ort war die Situation jedoch bereits durch andere Funkwagenbesatzungen sowie einen Gruppenwagen der 36. EHu. unter Kontrolle gebracht worden.

Beim nächsten Einsatz war ein Feuer in Park gemeldet. Vor Ort fand sich jedoch kein Brand sondern eine größere Gruppe mit Grill und Musikanlage. Von einer lauten Party konnte aber keine Rede sein, zumal der Generator der Musikanlage lauter summte als die abgespielte Musik. Es erfolgte eine kurze Belehrung durch die Beamt:innen welche verständnisvoll und vor allem friedlich aufgenommen wurde

Weiter ging es nach Neukölln, wo sich in der Nähe eines Gewerbegebietes eine große illegale Party entwickelt hatte. Der örtliche Polizeiabschnitt 54 hatte bereits mehrfach auf eine Auflösung gedrängt, nun musste sie mit weiteren Einsatzkräften umgesetzt werden. Eine spontane Feier war es bei knapp 150 beteiligten Personen, DJ, Bar und entsprechend viel Müll in der Grünanlage mit Sicherheit nicht. Das Problem: Eine angemeldete Veranstaltung war es auch nicht. Die Einsatzhundertschaft löste die Veranstaltung auf. Die mutmaßlichen Initiatoren wurden namentlich festgestellt. Es ist anzunehmen, dass sie für die Kosten der Reinigung für die Grünfläche werden aufkommen müssen. Natürlich haben wir alle Verständnis dafür, dass es die Menschen – gerade nach den letzten Monaten – nun nach draußen zum Feiern treibt und zum Glück ist das auch vielerorts wieder möglich, aber gelten doch die gleichen Regeln wie früher: kein Vermüllen, keine Belästigung durch Lärm und bei kommerziellen Veranstaltungen ist eine Anmeldung nötig.

Im Anschluss daran ging es in den Südosten. Auf der Insel der Jugend wurde laut gefeiert und der Müll häufte sich. Die Polizei konnte einen Verantwortlichen der Party ausfindig machen und stellte auch Drogen bei ihm fest. Die Auflösung der Party verlief zugig und friedlich. Im Folgenden bewegte sich die Einsatzhundertschaft dann in den Treptower Park löste auch dort langsam die Versammlungen aufgrund des Lärms und zahlreicher Anwohnerbeschwerden auf. Auch hier gelang dies gut und friedlich. Kurze Zeit später wurde die EHu. in Kenntnis gesetzt, dass noch ca. 80 weitere Personen direkt im Wald feierten. Vor Ort konnte in DJ festgestellt werden und seine Musikanlage wurde vorerst eingezogen. Mitten im Wald bot sich ein Bild wie auf einer Deponie: Überall Müll und leere Flaschen – und das in einem Gebiet, welches für die Berliner Stadtreinigung nicht ohne weiteres zugänglich ist.

Eine wunderschöne Parkanalage, die am Sonntag aussieht wie eine Müllhalde. Das geht nicht und ist vor allem allen anderen Nutzerinnen und Nutzers des Parks gegenüber unfair. Die Polizei Berlin wird nach den Corona-Kontrollen in den nächsten Wochen auch verstärkt die Parks kontrollieren. Klar ist aber auch, dass dies nicht ihre Hauptaufgabe sein und bleiben kann. Viel wichtiger: Die Clubs müssen wieder öffnen. Das „Katz-und-Maus-Spiel“ in den Parks bindet bei der Polizei schlicht zu viele Kräfte, die dann an anderer Stelle fehlen. Über mögliche Maßnahmen wird derzeit in der Landespolitik eifrig diskutiert. Ideen und Konzepte sind da, nun gilt es, sie umzusetzen.

Ich danke der 36. Einsatzhundertschaft sehr herzlich für die Möglichkeit Einblicke in ihre Arbeit zu erhalten sowie für zahlreiche gute Gespräche. Geben Sie gut auf sich acht und vor allem: Bleiben Sie gesund.

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