Am 28.04.2018 hospitierte ich 12 Stunden bei der Polizei Berlin im Abschnitt 32. Ich wollte mir dabei vor allem ein Bild über die konkrete Einsatzbelastung machen.

Als ich zu Beginn auf der Wache eintraf, erwarteten mich nicht nur die Beamten, sondern auch einige Kinder, welche zuvor beim Diebstahl erwischt worden waren. Das passiert leider sehr oft am Alexanderplatz und die Kinder müssen in diesem Fall so lange unter der Aufsicht der Beamt/innen bleiben, bis die Eltern sie abholen. Nach einem kurzen Gespräch mit den Kollegen der Dienstgruppe ging es dann zum Funkwagen und dem ersten Einsatz. – einem leichten Auffahrunfall. Zum Glück gab es keine Verletzten und die Betroffenen waren einsichtig. Im Anschluss ging es zu Decathlon am Alex. Dort ging es ebenfalls um einen mutmaßlichen Diebstahl. Der Warenwert belief sich auch etwa 6 Euro. Der Sachverhalt konnte geklärt werden. Im Gespräch mit den Sicherheitsmitarbeitern wurde deutlich, wie oft und wie raffiniert gestohlen wird. Mancher Täter schreckt dabei vor Gewalt nicht zurück. Nach dem Einsatz waren wir auf dem Alexanderplatz und es kam zu einem Gespräch mit Kollegen der 32. Einsatzhundertschaft, welche an diesem Tag für diesen Bereich zur Verfügung stand. Natürlich spielte an diesem Tag bereits der 1. Mai und die gesamte Situation zur Sicherheit eine Rolle bei den Einsatzkräften. Danach ging es mit Eile zu einem dringlichen Vorfall. Ein junges Mädchen wurde am U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße von einem jungen Mann mit einem Messer bedroht und mit einem Gürtel geschlagen. Wir suchten die Gegend nachdem mutmaßlichen Täter ab. Anscheinend kannten sich Opfer und Täter. Später streiften wir und es ging Richtung „Tresor“, weil dort offensiv mit Drogen gehandelt wurde. Dieser Einsatz wurde später von anderen Einheiten übernommen.

Beim folgenden Einsatz auf dem Alexanderplatz ging es um eine Gruppe von etwa 30 Personen die relativ laut waren und die Polizei musste dort die Ruhe wiederherstellen. Bei dortigen Kontrollen wurde auch ein Messer gefunden. Dies wird später noch strafrechtlich verfolgt werden. Auf dem Alex bereiten Jugendgruppen schon seit längerem einige Probleme
Ein Notruf ging ein und es ging zur KØPI 137, einem einschlägig bekannten Objekt der inksautonomen Szene. Dort kam es vor der Tür zu einer schweren Körperverletzung. Zwei Personen wollten eine Tonne anzünden. Das wurde durch die Bewohner untersagt, danach kam es zur Auseinandersetzung. Mehrere Funkwagen mussten hin. Auch wir. Wir suchten mittels Beschreibung nach den mutmaßlichen Tätern. Ohne Erfolg. Der Staatsschutz wird hier nun die Ermittlungen aufnehmen. Im weiteren Verlauf der Streife fiel ein BMW auf, welcher ein Kennzeichen für eine Probefahrt mitführte. Es fand eine Verkehrskontrolle statt. Dabei kam heraus, dass die Fahrzeugführerin 0,97 Promille Alkohol im Blut hatte. Wir mussten mit der betroffenen Person zur Gefangenensammelstelle (GeSa) nach Tempelhof fahren. Dort musste der Alkoholgehalt einwandfrei festgestellt werden. Dieser betrug zu diesem Zeitpunkt noch immer 0,82 Promille. Das stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und wird für die Fahrerin eine teure Veranstaltung. Das Fahrzeug durfte nicht mehr fahren und die Kennzeichen wurden sichergestellt. Ich traf in der GeSa noch zufällig die Schicht bei der ich am 02.03.2018 hospitierte. Unser Dienstende war dann gegen 6:30 Uhr am Morgen.

Es war eine interessante Schicht mit vielen Gesprächen und Eindrücken. Die Arbeitsbelastungen sind in diesem Bereich enorm. Der Abschnitt erhält viele junge Absolventen von der Polizeiakademie und der HWR, dennoch muss ein Transformationsprozess der lebensälteren Beamten gesichert werden. Mit viel Empathie und Motivation verrichten dort die Beamten ihren Dienst. Dass nicht alles glatt läuft und noch viele Baustellen offen sind, liegt auf der Hand. Gerade in den Abschnitten wo es eine starke Arbeitsbelastung gibt, musst dringend mehr Personal nachgeschoben werden. Auch die Sicherheit der Liegenschaften muss mehr bei der Polizeiführung eine Rolle spielen. Die neue „Alex-Wache“ wird positiv wahrgenommen und sie stellt ein wichtiges Bindeglied für die Sicherheit auf öffentlichen Plätzen dar. Dennoch bleibe ich dabei, dass sich die Polizeidichte auch außerhalb des S-Bahn-Rings widerspiegeln muss und wir wieder die örtlichen Einsatzhundertschaften benötigen. Die Sicherheit im Kiez ist ein Wesensmerkmal für unser friedliches Zusammenleben.

Mein Dank gilt der Dienstgruppe für diese tiefen Einblicke und offenen Gespräche. Viel Erfolg bei der Alarmhundertschaft am 30.04./ 01.05.2018. Kommen Sie alle gesund nach Hause.