Gestern hospitierte ich 12 Stunden bei der 14. Einsatzhundertschaft (EHu) der Polizei Berlin. Diese Polizeieinheit war gestern zugleich auch die Landeseinsatzreserve (LER). Von 18 Uhr am Abend bis um 6 Uhr in der Früh begleitete ich eine komplette Schicht. Ich muss sagen, dass Berlin stolz auf seine Polizeibeamtinnen und Beamte sein kann. Wenn andere Menschen feiern oder schlafen gehen, sind sie da und schützen uns. 365 Tage im Jahr sind sie es, die für Sicherheit und Ordnung in der Stadt sorgen.

Zu Beginn wurde ich durch die Räumlichkeiten der Direktion 3 geführt, um mir ein Bild der Unterkunft machen zu können. Immer wieder stoße ich bei meinen Hospitationen auf das selbe Problem: den Sanierungsbedarf. Ob die Sozialräume, die Küchen, die Toiletten oder die Besprechungsräume – es gibt viel zu tun und Instand zu setzen. Teilweise bauen oder kaufen Beamte selbst Utensilien oder Möbel, um es sich etwas gemütlicher zu machen. Diese EHu hat das Glück einen gelernten Koch zu haben, welcher zuvor in der gehobenen Gastronomie gearbeitet hat. Später wurde er Polizist. Die Verköstigung ist eine wichtige Grundlage – auch, weil sie einen wichtigen Sozialfaktor für das Team darstellt. Nach der Führung durch das Gebäude sprach ich mit dem Hundertschaftsführer und den Zugführern. Viele bereits bekannte Themen wurden dabei aufgegriffen. Ja, die Landespolitik muss jetzt liefern, damit es sich Schritt für Schritt zum Besseren ändert. Ein paar Dinge habe ich für mich zusätzlich mitgenommen.

Danach wurde ich einem Zug zugeteilt und es ging in den Einsatzraum. Wir unterstützen eine Einsatzhundertschaft, den Polizeiabschnitt 32 sowie die Bundespolizei, welche am Alexanderplatz ihren Schwerpunkteinsatz hatten. Im U-Bahnhof kontrollierte die EHu eine junge Personengruppe. In Schöneberg wurde ein Mercedes kontrolliert. Keiner der vier Insassen und auch der Fahrer hatte einen Führerschein und dieser hat nun mit einem juristischen Nachspiel zu rechnen. Gleiches gilt für den Fahrzeughalter. Im Anschluss daran gab es eine Fahrt mit Eile zum Rasthof Stolpe. Dort wurden Polizeibeamte von ca. 30 Personen an ihrer Arbeit gehindert als sie versuchen wollten Profilierungsfahrten zu verhindern. Als die Lage kurze Zeit später unter Kontrolle war, ging es zügig zurück nach Berlin.

An der TU-Berlin fand die Erstsemesterparty statt. Über 500 Personen waren auf der Straße vor dem Gebäude. Es flogen kurz Flaschen. Die Polizei sicherte durch Ihre Präsenz den Bereich ab. Ein junger Mann sah sich veranlasst „Scheiß Bullen“ zu rufen um sich in seiner Gruppe zu profilieren. Die Polizei schritt ein und stellte die Personalien des Mannes fest.

Wir fuhren anschließend durch Berlin-Mitte und wurden zum Weinbergpark gerufen, weil dort eine junge Frau von einem Mann mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen wurde. Der Rettungsdienst war vor Ort. Die Dame kannte den Täter und der zuständige Abschnitt übernahm den Vorgang.

Im Anschluss an diesen Einsatz konnte ich dem nächtlichen Schießtraining beiwohnen. In dieser Schicht fanden hierzu vier Durchläufe statt. Jeweils eine Stunde Zeit war für die Beamten um auf insgesamt drei Bahnen zu trainieren. Es wurde scharf geschossen und ich konnte mir ein Bild machen, aus welcher Situationen heraus der Gebrauch der Dienstwaffe geübt wird. Die Belastung aus der aktiven Schicht herauszukommen, dann zu trainieren und dann weiterzuarbeiten ist immens. Und mir wurde klar: Die Polizei braucht den scharfen Schuss – zur Eigensicherung und dem Schutz von Dritten. Ich konnte viele Fragen stellen und viele Punkte nehme ich mit in die politische Arbeit. Die Beamten warten sehnsüchtig auf neue Waffen und Schutzausstattung.

Später nahm „mein Zug“ am Alexanderplatz einen mutmaßlichen Dealer fest. Dieser kam ins Gewahrsam der Direktion. Ich schaute mir die dortigen Räumlichkeiten an. Interessant war der Ablauf: Auch bei der präventiven Blutentnahme muss ein Polizeiarzt dabei sein. Die Drogen wurden durch die Kriminalpolizei auf ihre Qualität hin untersucht. Die Angestellten vor Ort kümmerten sich dann weiter um den Festgenommenen. Am Ende meiner Schicht schaute ich zu, wie die Waffen zurückgegeben wurden. Diese zwölf Stunden im Einsatz bei der Polizei Berlin hatten viele spannende Aspekte. Die Dinge im Detail zu sehen und zu verstehen sowie die persönlichen Gespräche zu führen, machen diese Hospitationen so wichtig. Ich bin dankbar, dass ich einmal mehr diese wertvolle Gelegenheit bekam und danke den Berliner Beamtinnen und Beamten von Herzen für Ihren täglichen Einsatz.